München besitzt eine tief verwurzelte Militärgeschichte. Zu verschiedenen Zeiten wurden hier Kasernen, Ausbildungsstützpunkte und Lager errichtet, die unterschiedliche Aufgaben erfüllten. Einige dienten der Ausbildung von Soldaten, andere der Unterbringung von Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern. In der Stadt entstanden die ersten nationalsozialistischen Lager, die später als düsteres Vorbild für das gesamte Konzentrationslagersystem dienten. Nach Kriegsende wurden einige Einrichtungen abgerissen, andere für neue Zwecke umgebaut. Einige Orte wurden zu Gedenkstätten, während andere weiterhin militärischen Zwecken dienen. Mehr dazu auf munichyes.eu.
Entstehung der Militärlager
Die ersten Militärlager entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Anlass waren groß angelegte Kriege, die nicht nur große Armeen, sondern auch eine systematische Ausbildung und Kontrolle verlangten. Ein frühes Beispiel waren Lager in Kanada während des Burenkriegs 1899–1902. Britische Truppen richteten dort spezielle Einrichtungen für Kriegsgefangene und den Schutz strategischer Gebiete ein. Diese wurden mit Stacheldraht gesichert, Holzbaracken errichtet und Wachtürme installiert. Das System funktionierte nach strengen Regeln und erwies sich als so effektiv, dass andere Länder es übernahmen.

Auch europäische Staaten nahmen dieses Modell schnell auf. In Deutschland entstanden Militärlager, als das Kaiserreich seine Armee verstärkte. München spielte dabei eine besondere Rolle. Die zentrale Lage in Bayern, eine gut ausgebaute Infrastruktur und günstige Verkehrswege machten die Stadt ideal für militärische Einrichtungen. Am Stadtrand entstanden Kasernen, Munitionsdepots, Übungsplätze und Schießstände. Hier wurden Einheiten aufgestellt, Übungen durchgeführt und Militärstäbe eingerichtet.
Das Leben in den Lagern war streng reglementiert. Soldaten standen früh auf, absolvierten Exerzieren, taktische Übungen und Training auf den Übungsplätzen. Offiziere überwachten die Disziplin, verteilten Aufgaben und sorgten für die Gefechtsbereitschaft. Neben militärischen Funktionen entwickelten sich die Lager zu kleinen Selbstversorgungsorten mit Küchen, Werkstätten, Krankenhäusern und Reparaturbetrieben. Mit zunehmender Truppenstärke und technischer Entwicklung wuchsen die Lager. Provisorische Bauten wurden durch Steinbauten ersetzt, Wasser- und Abwassersysteme installiert und neue Straßen gebaut. München entwickelte sich so zu einem strategischen Militärzentrum. Hier entstand die Infrastruktur, die im 20. Jahrhundert bei großen Kriegskampagnen eine wichtige Rolle spielte.

Nationalsozialistische Militärlager
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde München zu einem der zentralen Zentren militärischer und politischer Aktivitäten des Regimes. Im März 1933 eröffnete nahe der Stadt das Konzentrationslager Dachau – nur wenige Wochen nachdem Hitler Reichskanzler geworden war. Zunächst wurden dort politische Gegner wie Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter festgehalten. Später kamen Priester, Intellektuelle, Angehörige von Minderheiten und weitere als „unerwünscht“ eingestufte Gruppen hinzu.
Das Lager wurde auf dem Gelände ehemaliger Artilleriekasernen errichtet und verfügte über ein strenges Kontrollsystem: Stromdrähte, Wachtürme und Wassergräben sicherten das Gelände. Die Gebäude lagen nach einem klaren Plan: Häftlingsbaracken, Verwaltungsgebäude, Küche, Krankenhaus und Krematorium. Dachau wurde zum Vorbild für künftige Konzentrationslager in Deutschland. SS-Offiziere kamen hierher, um die Überwachungsmethoden zu lernen. Die Häftlinge wurden als Arbeitskraft in Bau, Werkstätten und Produktion eingesetzt – oft unter extremen Bedingungen ohne ausreichende Verpflegung oder Ruhezeiten.

Mit der Zeit expandierte das Lagersystem. Im Nordwesten der Stadt entstand das große Nebenlager München-Allach, das der Verwaltung von Dachau unterstand. Es lag in der Nähe von Industriebetrieben, in denen Porzellan, Flugzeugteile und Rüstungsgüter hergestellt wurden. Tausende Zwangsarbeiter arbeiteten hier: Ausländer, Kriegsgefangene und Deportierte aus besetzten Gebieten. Sie lebten in Baracken unter harten Bedingungen, häufig ohne Heizung und mit minimaler Nahrung.
Beide Lager spielten eine zentrale Rolle für die Kriegswirtschaft der Nationalsozialisten. Sie stellten Arbeitskräfte für große Unternehmen bereit und erfüllten gleichzeitig eine Straf- und Kontrollfunktion. Dachau blieb bis zur Befreiung 1945 in Betrieb und diente als Modell für das gesamte Konzentrationslagersystem des Dritten Reiches. Allach wiederum war entscheidend für die industrielle Produktion, besonders in den letzten Kriegsjahren, als Arbeitskräfte knapp wurden.
Militärlager nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach der Niederlage Deutschlands übernahmen die Alliierten alle Militäranlagen in und um München. Einige Lager wurden schnell aufgelöst, die Gebäude abgerissen, das Gelände geräumt und für den Wiederaufbau der Stadt genutzt. Andere blieben zunächst bestehen. Einige Kasernen und Ausbildungsstützpunkte wurden für die US-Armee übernommen. München wurde zu einem wichtigen Standort für US-Truppen, viele ehemalige deutsche Einrichtungen wurden an die Bedürfnisse der Besatzung angepasst.
Ein Beispiel sind die Ernst-von-Bergmann-Kaserne. Sie wurden nach der Kapitulation nicht stillgelegt, sondern für die Unterbringung von Truppenteilen genutzt. Auf dem Gelände fanden Übungen statt, Technik wurde gelagert, Stäbe eingerichtet. Die Gebäude wurden schrittweise modernisiert, die Grundstruktur blieb jedoch erhalten. Außerdem entstanden neue alliierte Verwaltungszentren, die die militärische Präsenz in der Region koordinierten.
In den ersten Nachkriegsjahren entstanden in einigen ehemaligen Lagern Einrichtungen für Vertriebene. Hier fanden ehemalige Kriegsgefangene, Flüchtlinge und Heimatlose Unterkunft. Die Gebäude wurden an zivile Bedürfnisse angepasst, mit provisorischen Wohnungen, medizinischen Einrichtungen und Lagern für humanitäre Hilfe. Später übernahm die deutsche Verwaltung die Kontrolle und begann die schrittweise Reorganisation des Militärsystems.
Mit der Gründung der Bundeswehr 1955 wurden einige Kasernen wieder unter deutsche Verwaltung gestellt. München gewann erneut an militärischer Bedeutung, diesmal in einem anderen politischen Kontext. Alte Anlagen wurden modernisiert und an neue Standards angepasst, während in manchen Fällen das historische Erscheinungsbild erhalten blieb. So entstand allmählich ein neues System von Militärstützpunkten, das über viele Jahrzehnte aktiv blieb.

Gegenwart
Heute gibt es in München noch mehrere militärische Objekte, jedes mit eigener Funktion. Einige werden weiterhin militärisch genutzt. So ging die Ernst-von-Bergmann-Kaserne nach Abzug der US-Truppen an die Bundeswehr. Hier sind bayerische Armeeeinheiten stationiert, Übungen finden statt und Technik wird gelagert.
Andere Anlagen erhielten eine völlig neue Bedeutung. Das ehemalige Lager Neuaubing wurde in einen Gedenkkomplex umgewandelt. Die Baracken aus NS-Zeiten blieben erhalten. Innen wurden Ausstellungsräume und Informationszentren eingerichtet, die über Zwangsarbeiter und Häftlinge informieren. Das Gelände ist öffentlich zugänglich, Veranstaltungen, Vorträge und Bildungsprogramme für Schüler finden regelmäßig statt.
In der Stadt gibt es außerdem kleinere Objekte, die einst unterstützende militärische Funktionen hatten. Einige wurden in Büros, Lager oder öffentliche Einrichtungen umgebaut. Leerstehende Gebäude stehen teilweise ungenutzt, Entscheidungen über Restaurierung oder neue Nutzung stehen noch aus. Trotz Veränderungen ist die Militärgeschichte Münchens deutlich in Architektur und Stadtplanung ablesbar. Sie ist Teil der urbanen Landschaft, in der Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen.
Quellen:
- https://www.nsdoku.de/en/neuaubing-memorial-site/the-camp-in-neuaubing
- https://www.nsdoku.de/en/neuaubing-memorial-site/the-camp-in-neuaubing
- https://www.bildung-ns-zwangsarbeit.de/en/sites/detail/neuaubing-memorial-site-munich-documentation-center-for-the-history-of-national-socialism
- https://www.comiteinternationaldachau.com/en/news-archive-english/201-allach-eng
- https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/munchen-neu-freimann-displaced-persons-camp
- https://encyclopedia.ushmm.org/content/uk/article/dachau