Am 22. Juli 2016 ereignete sich in München eine große Tragödie: Ein 18-jähriger Jugendlicher erschoss 9 Menschen. Die späteren Ermittlungen zeigten, dass der Täter aus seinen rechtsextremen politischen Ansichten heraus handelte. Dieses Ereignis warf erneut Fragen über die Bedrohung durch den Terrorismus in Europa auf. In diesem Artikel erinnern wir an dieses Geschehen, berichten über den Täter und die Reaktion der Behörden. Weiterlesen auf munichyes.eu.
Der Ablauf

Einige Zeit vor der Tat kaufte der 18-jährige David S. eine Pistole über das Darknet. Vor dem Angriff veröffentlichte er zudem auf Facebook Aufrufe an junge Menschen, zu einem Fast-Food-Restaurant in der Nähe des Einkaufszentrums „Olympia“ zu kommen. Am Nachmittag des 22. Juli 2016 begab sich der junge Mann selbst zu dem Restaurant.
Er holte die Pistole aus seinem Rucksack, als er auf der Toilette war, und feuerte danach mehrere Schüsse auf eine Gruppe junger Menschen ab. Von den sechs Kindern, die David S. erschoss, überlebte nur ein 13-jähriger Jugendlicher. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen, konnte aber fliehen und sich in Sicherheit bringen.
Anschließend verließ David S. das Restaurant und begann auf flüchtende Menschen zu schießen. Auf seinem Weg tötete er noch einen 17-jährigen Jugendlichen, eine 45-jährige Frau, einen 19-jährigen Mann und eine 20-jährige Frau. Insgesamt gab er etwa 60 Schüsse ab.
Die Polizei eröffnete das Feuer auf David, traf ihn aber nicht. Einige Zeit versteckte er sich in einem Fahrradkeller eines Mehrfamilienhauses, bevor er herauskam und sich vor den Augen der Polizei selbst erschoss.
Die polizeilichen Ermittlungen zogen sich recht lange hin, da es viele Meinungsverschiedenheiten bezüglich Davids Motiven und Handlungen gab.
Die Motive des Täters
Zunächst gab es die Vermutung, David S. habe Rache üben wollen, da er unter schwerwiegenden psychischen Störungen litt. Nach Angaben der Ermittler wurde er jahrelang von seinen Mitschülern gemobbt und geschlagen. Für sein Leid machte er Migranten aus Südosteuropa verantwortlich. In einem Bericht von 2017 wurden persönliche Kränkungen als sein Hauptmotiv genannt. Daher wurde die Tat zunächst als reiner Amoklauf und nicht als politisch motivierter Terroranschlag eingestuft.
Allerdings wiesen die Ermittler schon damals darauf hin, dass der junge Mann ein rassistisches Weltbild hatte. Er befand sich in psychotherapeutischer Behandlung und zeichnete während der Sitzungen Hakenkreuze und zeigte den Hitlergruß. Er wählte seine Opfer auch nach bestimmten rassistischen Kriterien aus. Zudem fand der Anschlag am 5. Jahrestag der Terroranschläge in Norwegen statt.
Die Stadt beauftragte 2017 Experten, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Zwei der drei stimmten darin überein, dass es sich um einen Akt des rechtsextremen Terrorismus handelte. Auch das Bundesamt für Justiz bestätigte diese Version im Jahr 2018. Daher stufte das Bayerische Landeskriminalamt das Ereignis im Jahr 2019 als „Politisch motivierte Gewaltkriminalität – rechts“ ein.
Kritik
Dieser Fall führte zu einer Welle der Kritik in der deutschen Gesellschaft, die den Sicherheitsbehörden und Politikern vorwarf, die Bedeutung des rechtsextremen Terrorismus im Land zu verharmlosen. Viele Anschläge, die von den Ermittlern lange nicht als Terrorakte anerkannt wurden, blieben ungesühnt. Die Familien der Opfer leiden weiterhin unter diesen Angriffen und der Ungerechtigkeit.
In den letzten Jahren kam es in Deutschland des Öfteren zu Morden durch rechtsextreme Terroristen. Beispielsweise tötete ein rechtsextremer Extremist im Jahr 2019 den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Vielen bekannt ist auch die terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die jahrelang unbemerkt Migranten ermordete. München war nach 1945 am stärksten von solchen Tragödien betroffen.
Das Bundeskriminalamt erfasste im Zeitraum von 1989 bis 2020 109 Morde mit rechtsextremen Motiven im Land. Nichtregierungsorganisationen und Opferfamilien behaupten, dass die Zahl der Opfer höher ist.
Gerade der Fall von 2016 war einer der blutigsten rassistisch motivierten Terroranschläge in der jüngeren Geschichte des Landes, doch die Sicherheitsbehörden stuften ihn drei Jahre und drei Monate lang als Amoklauf eines psychisch kranken Mobbingopfers ein.
Gedenken

Jedes Jahr nach der Tragödie versammeln sich Hunderte oder sogar Tausende Menschen vor dem Einkaufszentrum „Olympia“, um der Opfer dieses Anschlags zu gedenken. Die Angehörigen fordern bis heute eine gründlichere Untersuchung der Vorgeschichte des Mordes.
Die Menschen gehen zu den Porträts der Opfer, die an den Orten aufgestellt sind, an denen sie starben. Ihre Namen erklingen jedes Jahr am 22. Juli: Armela, Can, Selçuk, Sabina, Roberto, Giuliano, Hüseyin, Dijamant, Sevda.
Die Eltern der Kinder sagen, es sei mehr als nur eine traurige Gedenkfeier. Die Mutter von Can, der zum Zeitpunkt seines Todes erst 14 Jahre alt war, versprach, dass sie keine Ruhe geben werden, bis diese und ähnliche Fälle vollständig aufgeklärt sind. Schweigen ebnet den Weg zu weiteren Toten.
Der Opfer dieses Terroranschlags wird nicht nur in München gedacht. Zum Beispiel wurde in Paris unmittelbar nach dem Anschlag der Eiffelturm in den deutschen Nationalfarben beleuchtet.
Die Tragödie vom 22. Juli 2016 in München wurde zu einer weiteren schmerzhaften Erinnerung daran, welch ernste Bedrohung der rechtsextreme Extremismus für die Gesellschaft darstellt. Dieser Fall zeigte, wie wichtig es ist, Anzeichen von Radikalisierung frühzeitig zu erkennen, politisch motivierte Verbrechen angemessen zu untersuchen und ihr Ausmaß nicht zu verharmlosen.
Die Erinnerung an die Getöteten muss auch weiterhin eine Mahnung bleiben, gegen jede Form von Hass zu kämpfen, sowie eine Erinnerung an die Verantwortung des Staates gegenüber den Opferfamilien und der Gesellschaft.
Quellen: bpb.de , taz.de , sueddeutsche.de