Montag, Februar 23, 2026

Fliegerhorst Neubiberg: Geschichte, US-Kontrolle und Gegenwart

Der Fliegerhorst Neubiberg liegt südöstlich von München. Er entstand im 20. Jahrhundert als Militärflugplatz der Luftwaffe. Stationiert waren hier unter anderem die ersten Düsenjäger vom Typ Me 262 sowie Transportmaschinen. 1945 übernahmen alliierte Truppen den Standort, später nutzte ihn die US Air Force. Ab 1958 ging die Kontrolle an die deutschen Luftstreitkräfte über – mit dem Transportgeschwader LTG-61 als zentraler Einheit. In den folgenden Jahrzehnten wurde ein Teil des Areals zum Campus der Universität der Bundeswehr umgestaltet; der Flugbetrieb endete 1991. Heute prägen erhaltene Gebäude, eine Kapelle, die frühere Startbahn und eine moderne Erholungsfläche das Gelände. Mehr dazu auf munichyes.eu.

Gründung und Rolle im Zweiten Weltkrieg

Der Flugplatz Neubiberg wurde 1933 südöstlich von München errichtet. Rasch entstanden Start- und Landebahnen, Hangars und Verwaltungsgebäude, die für die Flugzeugflotte der Luftwaffe benötigt wurden. In den Anfangsjahren diente der Standort vor allem der Pilotenausbildung und der Stationierung leichter Jagdflugzeuge.

Bis Ende der 1930er-Jahre waren hier sowohl Ausbildungs- als auch Kampfeinheiten untergebracht. 1944 stationierte die Luftwaffe die neuen Düsenjäger Messerschmitt Me 262 in Neubiberg, die Einsätze an der Westfront flogen. Der Platz war ein Zentrum für Trainingsflüge, Wartungsarbeiten und die Vorbereitung von Besatzungen für Fronteinsätze.

Doch 1944 wurde Neubiberg mehrfach von alliierten Bombern getroffen. Startbahnen, Hangars und Werkstätten erlitten erhebliche Schäden. Im April 1945 nahmen US-Truppen den Flugplatz ein, die verbliebenen deutschen Einheiten zogen sich zurück. Damit endete die Nutzung durch die Luftwaffe.

So war Neubiberg von seiner Gründung bis Kriegsende ein wichtiger Luftwaffenstützpunkt – zunächst für die Pilotenausbildung, später für den Einsatz der neuen Düsenjäger und die Unterstützung der Kampfoperationen in Europa.

Nachkriegsnutzung durch die USA

Nach 1945 übernahm die US Air Force das Gelände. Hier wurde das 86th Fighter Wing stationiert, ausgestattet zunächst mit P-51 Mustang, später mit F-80 Shooting Star. Ergänzt wurde es durch Transportverbände mit Maschinen wie der C-47 Skytrain und der C-119 Flying Boxcar, die ganz Westeuropa mit Material und Personal versorgten.

Zudem richteten die USA neue Werkstätten, Hangars, Ausbildungsräume und Verwaltungsgebäude ein. Neubiberg spielte eine Schlüsselrolle in der Berliner Luftbrücke 1948/49: Von hier starteten Transportflugzeuge mit Lebensmitteln, Treibstoff und medizinischer Versorgung für West-Berlin während der sowjetischen Blockade.

Während des Kalten Kriegs blieb Neubiberg ein strategisch wichtiger Standort. Hier fanden regelmäßige Trainingsflüge, technische Tests und Manöver statt. Die Basis sicherte die Einsatzbereitschaft der US-Jagd- und Transportfliegerkräfte in Süddeutschland – ein zentraler Baustein der amerikanischen Präsenz in Europa.

Rückgabe der Basis an Deutschland

1958 ging Neubiberg an die deutschen Luftstreitkräfte über. Das Transportgeschwader LTG-61 verlegte hierher und nutzte zunächst Noratlas, später C-160 Transall für Truppentransporte und Materialflüge. Gleichzeitig entstanden Ausbildungseinheiten für Piloten und Techniker, die die Einsatzfähigkeit der Luftwaffe in Bayern sicherstellten.

Die Infrastruktur wurde modernisiert: verlängerte Startbahnen, neue Hangars, Werkstätten sowie aktualisierte Schulungsgebäude. Das Geschwader führte Transportmissionen im In- und Ausland durch, trainierte taktische Verfahren und übte Starts und Landungen unter anspruchsvollen Bedingungen. Neubiberg blieb ein aktiver Knotenpunkt der Luftwaffe und spielte eine Rolle in der Integration Deutschlands in das NATO-Bündnis.

Umwandlung in eine Universität und heutige Nutzung

1973 wurde auf dem Gelände die Universität der Bundeswehr München gegründet. Sie bezog zahlreiche ehemalige Gebäude von US Air Force und Luftwaffe. Der Campus umfasst heute Lehrgebäude, Labore, Bibliotheken und große Hörsäle für Offiziere und zivile Studierende. Die Universität konzentriert sich auf militärische Ausbildung, sicherheitsrelevante Forschung, technische und sozialwissenschaftliche Studiengänge sowie die Qualifizierung des Personals der Bundeswehr.

Viele historische Bauten blieben erhalten – darunter Verwaltungsgebäude, alte Hangars und eine Kapelle, die für Zeremonien und Gedenkfeiern genutzt wird. Hinzu kommen ein Park und weitläufige Grünflächen, die der Erholung dienen.

Die modernisierte Infrastruktur umfasst startbahnnahe Anlagen, neue Forschungs- und Ausbildungszentren sowie umgestaltete Hangars, die heute Labore und Trainingsräume beherbergen. Die Programme der Universität verbinden Theorieunterricht mit praktischen Trainings: vom Einsatz von Flugsimulatoren über taktische Verfahren bis zur umfassenden Logistikausbildung.

Damit vereint der Standort Neubiberg historische Substanz mit modernen akademischen und militärischen Aufgaben – und bewahrt gleichzeitig das Erbe des alten Flugplatzes.

Historische Bedeutung

Neubiberg hat für Bayern und die Entwicklung der deutschen Luftstreitkräfte einen hohen historischen und kulturellen Wert. Der Standort war Schauplatz zentraler Ereignisse: des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg, der US-Präsenz in der Nachkriegszeit und der Dynamiken des Kalten Kriegs. Das Gelände bewahrt Spuren der alliierten Besatzung, der Luftbrückenflüge und der militärischen Nutzung über sechs Jahrzehnte hinweg.

Die erhaltenen Gebäude – Hangars, Verwaltungsbauten, Kapelle – spiegeln die Entwicklung militärischer Infrastruktur von den 1930er-Jahren bis heute wider. Gleichzeitig dienen Park und Freiflächen als Orte der Erinnerung und für feierliche Veranstaltungen.

Der Fliegerhorst prägte auch die Region: Er schuf Arbeitsplätze, stärkte Transport- und Logistikstrukturen und verband die lokale Gemeinschaft eng mit militärischen und später akademischen Prozessen. Heute ist Neubiberg beides zugleich – ein aktiver Forschungs- und Universitätsstandort und ein Ort historischer Identität, an dem moderne Aufgaben und die Erinnerung an vergangene Epochen aufeinandertreffen.

Quellen:
  1. https://file.scirp.org/Html/1-1140063_65567.htm
  2. https://toflyandfight.com/german-aircraft-after-the-war
  3. https://www.forgottenairfields.com/airfield-neubiberg-closed-526.html
  4. https://stadtgeschichte-muenchen.de/archiv/daten/pdf/f/flu/flugplatz_neubiberg.pdf
  5. https://www.unibw.de/hochschulkommunikation/dokumente/unibw-m_factsheet.pdf
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