Montag, Februar 23, 2026

Die Gründung des Deutschen Reiches: Die wichtigsten Debatten in der Geschichte Bayerns

Im Jahr 1871 ereignete sich ein bedeutendes historisches Ereignis – das Deutsche Kaiserreich wurde gegründet. Für Bayern bedeutete dies tiefgreifende Veränderungen im politischen Status. Zuvor war Bayern ein souveränes Königreich mit eigener Regierung und Diplomatie, nun wandelte es sich zu einem der Bundesstaaten unter der Führung Preußens. Im bayerischen Parlament entbrannten zu diesem Anlass heftige Debatten, über die wir im Folgenden berichten. Mehr dazu auf munichyes.

Der historische Kontext

Für viele Bayern, die dem weit verbreiteten nationalen Enthusiasmus skeptisch gegenüberstanden, wurde die Kaiserproklamation von 1871 als wahre Demütigung empfunden. Als der preußische König Wilhelm I. am 17. Januar 1871 zum Deutschen Kaiser erhoben wurde, liefen im bayerischen Parlament bereits den sechsten Tag die Debatten.

Preußen war schon immer der stärkste Staat unter allen deutschen Königreichen. Der preußische Kanzler Otto von Bismarck entwickelte einen politischen Plan zur Vereinigung der Länder auf diplomatischem Wege. Dies wurde erst durch den gemeinsamen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg möglich, der den Patriotismus erheblich steigerte.

Doch für einige Königreiche war dies eine schmerzhafte und tragische Seite der Geschichte. Auch Bayern trat im Sommer 1870 an der Seite Preußens in den Krieg ein. Seine Armee teilte zwar den Sieg, bezahlte dafür aber einen hohen Blutzoll: Tausende bayerische Soldaten fielen oder wurden verwundet.

Die Reaktion des bayerischen Parlaments

Gleichzeitig wünschte sich der Mittelstand in den Industriezentren wie Augsburg und Nürnberg das neue Deutsche Reich. Die Menschen erwarteten neue Märkte und Möglichkeiten. Zudem hatte die Erste Kammer (der Reichsrat) den Versailler Vertrag zur Gründung des Deutschen Reiches bereits am 30. Dezember 1870 gebilligt, der am 1. Januar 1871 in Kraft trat.

Auf der Tagesordnung stand dieser Punkt nach Themen wie Hausschlachtungen oder Gehaltserhöhungen für Hofboten. Für den Reichsrat schien die Angelegenheit nicht von höchster Priorität zu sein; nur drei Mitglieder stimmten gegen den Vertrag. Die Zweite Kammer (der Landtag) hingegen diskutierte 10 Tage lang intensiv darüber, ob das Königreich Bayern unabhängig bleiben oder Teil des neuen Deutschen Reiches werden sollte.

Die wichtigsten Debatten der Geschichte

Betrachtet man diese Ereignisse aus heutiger Sicht, so kann man diese Debatten in der Zweiten Kammer des Bayerischen Landtags zweifellos als eine der wichtigsten politischen Auseinandersetzungen in der Geschichte Bayerns bezeichnen. Der Einfluss dieser Diskussionen ist im politischen Leben der Region bis heute spürbar. Oft wird auf dieses rhetorische Gefecht verwiesen, wenn es um den Platz und die Rolle Bayerns im Land geht.

So berief sich beispielsweise 1949 während des Streits um das Grundgesetz der spätere Vorsitzende der Bayernpartei, Josef Baumgartner, auf Edmund Jörg, der 1871 mit folgenden Worten vor einem Beitritt Bayerns zum Reich gewarnt hatte: „Wir können nicht, denn das hieße Katastrophe, Weltkrieg und Untergang Deutschlands!“ In gewisser Weise hatte er tatsächlich recht. Seine politischen Gegner erklärten hingegen, dass „Bayern eine lebensunfähige politische Missgeburt sei“.

Edmund Jörg gilt bis heute als einer der herausragenden Politiker und Publizisten des deutschen Katholizismus. Er war Wortführer der Patriotenpartei und strebte stets ein geeintes Europa an, in dem jedoch alle Regionen ihren Einfluss behalten sollten. Die „Patrioten“ wurden historisch oft als rückständige Separatisten verurteilt.

Sie befürchteten, dass die Reichsverfassung zugunsten der militärischen Hegemonie Preußens jegliches parlamentarische und liberale Leben zerstören würde. Doch der Druck auf den Klerus in der Patriotenpartei seitens der Monarchie und der bayerischen Bischöfe war zu stark. Nach nüchterner Überlegung wurde klar, dass es zum Beitritt zum Reich keine Alternative gab. Mit jedem Tag wuchs die Zahl der Befürworter dieses Schrittes. Schließlich stimmten 102 Abgeordnete für den Beitritt zum Reich und nur 48 bayerische Patrioten dagegen.

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