Montag, Februar 23, 2026

Ellen Ammann. Politikerin und Kämpferin für die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft

Ellen Ammann war eine bekannte schwedisch-deutsche Politikerin. Sie gründete den Katholischen Verband Bayerischer Frauen, war Mitglied des Parlaments und engagierte sich aktiv in der kirchlichen Arbeit. Historiker betrachten Frau Ellen als Wegbereiterin der modernen sozialen Arbeit. Sie nahm an der Niederschlagung des Hitler-Putsches von 1923 in München teil. Ihr Leben widmete die Politikerin dem Kampf für gleiche Rechte von Frauen in Kirche, Gesellschaft und Politik, berichtet munichyes.eu.

Unbeschwerte Jugend

Ellen wurde am 1. Juli 1870 in Stockholm in einer protestantischen Familie geboren. Ihre Mutter konvertierte heimlich zum katholischen Glauben und erzog die Tochter nach dessen Grundsätzen. Ellen besuchte eine französische Schule, in der die Kinder von Diplomaten unterrichtet wurden und Nonnen als Lehrkräfte tätig waren. Mit 14 Jahren nahm Ellen den katholischen Glauben an. Nach dem Schulabschluss unternahm sie eine längere Reise nach Deutschland.

Nach ihrer Rückkehr nach Schweden interessierte sie sich für Heilgymnastik, beendete jedoch das Studium nicht. Sie verliebte sich und heiratete Ottmar Ammann. Das Paar zog nach München, wo sie sechs Kinder bekamen.

1895 begann Ellen mit ihrer wohltätigen Arbeit. Sie gehörte zu den Gründern der Gesellschaft zum Schutz der Marianischen Mädchen. 1897 wurde mit Unterstützung der Gräfin Christiana von Preysing-Lichtenegg-Moos die katholische Mission gegründet, die Ellen über 20 Jahre lang in München leitete. 1904 war sie Mitbegründerin des Katholischen Frauenverbands, und 1911 wurde der Bayerische Landesverband gegründet.

Ellen vertrat zunehmend die Ansicht, dass über Mädchenschulen hinaus auch spezielle Bildungseinrichtungen für Frauen nötig seien, um soziale und wohltätige Arbeit professionell zu gestalten. So begann sie 1909 mit der Entwicklung einer sozial-karitativen Frauenschule. 1916 wurde das Ausbildungsprogramm auf zwei Jahre erweitert. Ellen unterstützte aktiv Alice Salomon und half bei der Einrichtung von Ausbildungskursen in München und Bayern.

Für das Wohl der Frauen

Zwischen 1892 und 1903 widmete sich Ellen Ammann der Erziehung ihrer fünf Söhne und einer Tochter. Parallel dazu arbeitete sie in der Klinik ihres Mannes und führte den Haushalt. In dieser Zeit wurde Ellen mit den existenziellen Bedürfnissen der Menschen konfrontiert. Durch die Industrialisierung zogen viele Menschen aus den Dörfern in die Städte, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Innerhalb von zwanzig Jahren stieg die Einwohnerzahl Münchens von 200.000 auf 500.000.

Ellen sah die schwierigen sozialen Bedingungen, unter denen vor allem junge Frauen und Mädchen litten. Es mangelte an Wohnraum, Schutz und Arbeit. 1895 gründete sie die Marianische Mädchenschutzvereinigung, die heute als Katholischer Verband IN VIA bekannt ist.

Die Aktivitäten der Organisation richteten sich darauf, Frauen in Not zu helfen. Später wurde eine Mission am Münchener Hauptbahnhof eingerichtet. Protestanten und Katholiken trugen zur Finanzierung bei. Ellen Ammanns Hauptziel war der Schutz von Frauen vor Ausbeutung und Menschenhandel.

1904 gründete Ellen den Katholischen Frauenverband München und 1911 den Bayerischen Landesverband des Katholischen Frauenbundes. Sie war überzeugt, dass diese Organisationen für die Frauen in Deutschland von großer Bedeutung seien. Die Mitgliederzahl des Bayerischen Verbands wuchs auf 150.000 Frauen.

Gegen Hitler

Ellen Ammann erkannte früh die Gefahr, die von Adolf Hitler und der nationalsozialistischen Bewegung ausging. Sie arbeitete mit Aktivistinnen wie Anita Augspurg zusammen, um Hitler aus Bayern zu vertreiben, jedoch ohne Erfolg. Sie setzte sich dafür ein, dass die Polizei in Bayern eine klare religiöse und moralische Orientierung erhielt.

1920 initiierte Ellen die Einführung einer Polizeiseelsorge in Bayern. Dank ihrer gesellschaftlichen und politischen Verbindungen erfuhr sie frühzeitig von Hitlers Putschversuch am 9. November 1923. Sie mobilisierte Regierungsmitglieder in ihrer Schule und organisierte die rechtzeitige Verlegung von Reichswehrtruppen nach München.

Für ihren Einsatz und ihre soziale Arbeit erhielt Ellen Ammann 1914 den päpstlichen Orden Pro Ecclesia et Pontifice. Sie erlebte jedoch nicht die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Am 23. November 1932 verstarb Ellen an einem Schlaganfall.

Ellen Ammann Filmarbeiten

In den Jahren 2019-2020 kuratierte Anna Novak, Professorin für Theologie und soziale Arbeit an der KSH München, das Filmprojekt „Ellen Ammann“. Studierende produzierten Kurzfilme über ihr Leben, inspiriert von ihrer Tätigkeit und ihrem Vermächtnis. Die Filme beleuchten die Gründung der sozial-karitativen Frauenschule, Ellen Ammanns politischen Einsatz und die erste katholische Mission am Münchner Hauptbahnhof.

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