Montag, Februar 23, 2026

Antijüdische Pogrome in Bayern: Die „Hep-Hep-Unruhen“

Die Aktionen gegen Juden begannen nicht plötzlich. Die Spannung und Unzufriedenheit der Deutschen wuchsen schrittweise an. Am 2. August 1819 entluden sich diese Gefühle in Form von Unruhen. Soldaten versuchten, die Bewohner Würzburgs zu beruhigen, doch die Maßnahmen zeigten nur kurzfristigen Erfolg. Am nächsten Tag setzte sich die Gewalt fort, als Stadtbewohner jüdische Häuser und Geschäfte mit Steinen bewarfen. Die bayerische Regierung war gezwungen, Gewalt anzuwenden, um Ruhe wiederherzustellen. Dennoch breiteten sich die Unruhen wie eine Seuche im Deutschen Bund aus, schreibt munichyes.eu.

Warum Würzburg?

Die „Hep-Hep-Unruhen“ waren die ersten antijüdischen Pogrome des 19. Jahrhunderts. Die Feindseligkeit wurde von christlichen Kaufleuten geschürt, die auf ganz Europa übergriff. Zu den bedeutendsten Zentren dieser Gewalt gehörten Frankfurt am Main, Kopenhagen, Amsterdam, Wien, Prag und andere. Laut dem bayerischen Historiker Roland Flade richteten sich die Unruhen gegen Juden, ihr Eigentum und sogar Synagogen. Die Feindseligkeit wurzelte in dem Missfallen über den gesellschaftlichen Fortschritt der jüdischen Bevölkerung. Die Kaufleute wurden von Neid und Hass getrieben.

Die bayerische Stadt Würzburg war bis 1814 ein souveränes Gebiet – zunächst ein Bistum, später ein Großherzogtum. Anschließend wurde es Teil des Königreichs Bayern. Historiker Flade betont, dass die Eingliederung Würzburgs in Bayern die Bewohner erzürnte. Sie fühlten sich gedemütigt.

Die Kirche wurde vom Münchner König enteignet, und ihr Eigentum wurde an Höchstbietende verkauft. Unter den Käufern befanden sich auch wohlhabende Juden. Diese „Wunde“ schloss sich über Jahre hinweg nicht, und laut Flade empfinden einige Würzburger diese alte Kränkung bis heute.

Die „Hep-Hep-Unruhen“

Einige Juden verfügten über so viel Geld, dass sie ihren Besitz in Münzen bezahlen konnten. Historiker Flade betont jedoch, dass dies nur auf wenige zutraf. Als der jüdische Bankier Jakob von Hirsch Eigentum in Würzburg erwarb, öffnete er die Tore für weitere jüdische Familien. Die Münchner Herrscher sahen darin eine Chance für wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Situation war jedoch angespannt. Einige christliche Kaufleute agierten als Monopolisten und erhöhten die Preise willkürlich. Die wirtschaftlich erfolgreichen Juden brachten Wettbewerb auf den Markt, was die etablierten Kaufleute stark verärgerte. Dies führte zu intensiver Propaganda gegen Juden. Zwischen 1802 und 1819 wurden Hunderte von Schmähschriften gedruckt, die Juden als „östliche Fremde“ diffamierten.

Die Unruhen in Würzburg wurden größtenteils von Kaufleuten finanziert, die ihre christlichen Mitbürger aufhetzten. Obwohl die Münchner Regierung versuchte, die Ordnung wiederherzustellen, konnte sie die Pogrome nicht vollständig stoppen. Die Gewalt breitete sich auf andere Städte aus.

Rechtlicher Status der Juden

1813 garantierte ein jüdisches Edikt eine gewisse rechtliche Gleichstellung, doch die Zahl jüdischer Familien in Bayern blieb begrenzt. Viele Juden emigrierten, Tausende zogen nach Amerika. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten 11.000 Juden Bayern verlassen.

Verschärfter Antisemitismus in München

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde München zum Zentrum des nationalsozialistischen Antisemitismus in Deutschland. Thomas Mann bezeichnete München 1923 als „Hitlers Stadt“. Antijüdische Propaganda war in Kirche, Politik und Medien weit verbreitet.

1921 äußerte sich der Münchner Polizeichef Ernst Pöhner in antisemitischer Weise, und 1923 berichtete das amerikanische Konsulat über systematische Gewalt gegen Juden. Die Pogrome entwickelten sich von Drohbriefen zu offenen Gewalttaten in den Straßen bayerischer Städte.

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