München spielte eine besondere Rolle in der Geschichte des Nationalsozialismus. In dieser Stadt begann Hitler seine politische Karriere und hielt die ersten Kundgebungen und Reden. Die Parteistrukturen entstanden schnell, weshalb die Stadt als „Hauptstadt der Bewegung“ bezeichnet wurde.
Nach der Machtergreifung etablierte das Regime neue Ordnungen. Auf den Straßen hingen Hakenkreuzflaggen, und Marschlieder waren täglich zu hören. Die Regeln betrafen alle: Beamte, Arbeiter, Schüler. Von den Menschen wurde Loyalität und Teilnahme am Parteileben gefordert. Die Stadt wurde zum Zentrum des politischen Systems, Entscheidungen wurden hier getroffen, Verwaltungsgebäude angesiedelt und Plätze sowie Gebäude umgestaltet. Die Bevölkerung befand sich zwischen Angst, Propaganda und dem Alltag voller Schwierigkeiten. Mehr dazu auf munichyes.eu.
Politische Transformation
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten konzentrierten sich die Parteiführung, Verwaltungsabteilungen und Kontrollstrukturen in der Stadt, die jeden Schritt der Bevölkerung überwachten. In Gebäuden an den Hauptstraßen wurden Büros und Stäbe eingerichtet, in denen Beamte, SS-Offiziere und Parteifunktionäre arbeiteten.

Regelmäßig fanden Massenversammlungen statt. Auf Plätzen gab es Märsche, Zeremonien, Paraden und Reden von Parteiführern. Musik, Fackelzüge und laute Ansprachen begleiteten diese Veranstaltungen. Die Bürger wurden verpflichtet, teilzunehmen, die Teilnehmer zu begrüßen und in Reihen zu stehen. So durchdrang die Parteistruktur jedes Stadtviertel. Lokale Zellen überwachten das Verhalten der Einwohner, sammelten Informationen und meldeten an höhere Instanzen. Nachbarn fürchteten einander, denn jedes Wort konnte zu einem Beamten oder Informanten gelangen. Schulen, Ämter und Betriebe hatten eigene Parteivertreter, die Disziplin und politische Linie überwachten.
Die Rechtssysteme verloren ihre Unabhängigkeit. Politische Gegner landeten in Gefängnissen, Konzentrationslagern oder verschwanden spurlos. Die Polizei war der SS unterstellt, sodass Verhaftungen ohne Gerichtsverfahren stattfanden. Gleichzeitig stiegen die Loyalitätsanforderungen: Menschen mussten Parteiorganisationen beitreten, Versammlungen besuchen und Flaggen aufhängen. Wer dies verweigerte, riskierte Arbeitslosigkeit, den Verlust der Position oder Verfolgung. Politik wurde Teil des Alltags und war unvermeidbar.

Alltag
Der Alltag der Münchner Bevölkerung geriet vollständig unter Kontrolle des Regimes. Jugendliche verloren ihre Wahlfreiheit, da die Teilnahme an Hitlerjugend und Frauenorganisationen Pflicht war. Jungen wurden auf den Militärdienst vorbereitet, trugen Uniformen, marschierten und hörten Reden über Treue zum Führer. Mädchen wurden in Haushalt, Kindererziehung und Rolle in der „Volksgemeinschaft“ unterwiesen. So entstand eine Generation, die nach ideologischen Regeln leben sollte.
In Schulen wurde alles politischen Zielen untergeordnet. Lehrer wiederholten NS-Parolen, der Unterricht wurde nach Parteirichtlinien angepasst, und Schüler mussten an Versammlungen, Marschliedern und Veranstaltungen teilnehmen. Das Bildungssystem wurde so zum Instrument der Erziehung gehorsamer Bürger.
Auch erwachsene Frauen waren stark eingeschränkt. Der Staat definierte sie als Mütter und Hausfrauen, Arbeit war oft begrenzt, besonders in öffentlichen Einrichtungen. Stattdessen wurden Kindererziehung und Familienpflege gefördert. Plakate, Reden und Zeitungsartikel lobten die „ideale Deutsche“ – bescheiden, fleißig, dem Mann und Staat treu.
Die Besatzung veränderte den Alltag. Bombardierungen zerstörten Stadtteile, Menschen übernachteten in Schutzräumen, Teile der Bevölkerung wurden aufs Land evakuiert. Lebensmittel waren knapp und nur mit Bezugskarten erhältlich. Familien überlebten dank Gärten, Tauschgeschäften und Nachbarschaftshilfe.
Druck auf Minderheiten
Juden, Roma und politische Gegner standen unter ständigem Druck. Zunächst wurden sie vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, später durften sie nicht mehr lernen, verloren ihre Arbeit und ihre Bewegungen wurden überwacht. Schließlich erfolgten Verhaftungen und Deportationen in Lager. In München und Umgebung existierten Zwangsarbeitsplätze, wo Menschen unter harten Bedingungen arbeiten mussten. Einige Stadtviertel wurden nach Deportationen entvölkert, ihr Eigentum ging an loyale Bürger oder staatliche Stellen.
So wandelte sich das Leben der Bevölkerung in eine Abfolge von Pflichten und Ängsten. Alles wurde kontrolliert, dennoch mussten sich die Menschen anpassen, um nicht verfolgt zu werden.

Kultur, Kunst und Propaganda
Das NS-Regime übernahm schnell die Kontrolle über die Kultur. Unabhängiges Kunstleben wurde zerstört: Werke von Modernisten wurden aus Museen entfernt, Galerien von „verfälschten“ Arbeiten bereinigt. Künstler, die verbotene Stile nutzten, durften nicht ausstellen, unterrichten oder davon leben. Viele wurden zur Emigration gezwungen, andere verstummten aus Angst.
Münchens Architektur änderte sich. Das Regime bevorzugte monumentale Formen. Massive Steinbauten sollten Stärke und Ordnung symbolisieren. Der Königsplatz wurde zur Bühne für Parteiveranstaltungen, Märsche, Reden und Zeremonien. Pflastersteine verstärkten die Wirkung von Fackelzügen.
Kino, Theater und Musik blieben Teil des Alltags, aber alle Einrichtungen arbeiteten unter strenger Aufsicht. Filme lobten Armee, Führer und „richtige“ Familienwerte. Theaterstücke hatten klare politische Botschaften, die von Beamten genehmigt wurden.
Freizeitaktivitäten wurden organisiert: Ausflüge, Chorauftritte, Sportwettkämpfe – jeder musste als vorbildlicher Bürger erscheinen. Teilnahme erfolgte über Pflichtkarten, Arbeitskollektive oder Schulprogramme. Ungehorsam war riskant, und unerwünschte kulturelle Elemente wurden aus dem öffentlichen Raum verdrängt: jüdische Musik verschwand, Bücher landeten auf Sperrlisten, Bibliotheken wurden durchsucht. Öffentliche Auftritte wurden streng überwacht.
Widerstand während der Besatzung
In München entstanden Widerstandsgruppen, obwohl das Regime jede Form von Ungehorsam brutal unterdrückte. Am bekanntesten wurde die „Weiße Rose“, gegründet von Studenten und Dozenten der Universität München. Sie druckten und verteilten Flugblätter, hinterließen sie an öffentlichen Orten und gaben sie weiter. Die Mitglieder wurden schnell verhaftet, viele hingerichtet, doch ihr Handeln hinterließ bleibenden Eindruck in der Stadtgeschichte.
Die Mehrheit der Bevölkerung nahm nicht aktiv am Widerstand teil. Viele passten sich den Regeln an, um Arbeit und Familie zu sichern. Einige traten in Parteiorganisationen ein, nahmen an staatlichen Veranstaltungen teil, andere distanzierten sich still und versuchten, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Angst vor Denunziation prägte das tägliche Leben, kleine Akte des Ungehorsams wurden verborgen.

Erinnerung
Die Erinnerung an die NS-Zeit bleibt lebendig. In München wurden Gedenktafeln an Orten von Verhaftungen und Hinrichtungen installiert, Museen und Dokumentationszentren eröffnet. In Schulen wird die Geschichte des Nationalsozialismus gelehrt, Exkursionen und Begegnungen mit Zeitzeugen organisiert. Die Stadt bemüht sich, die Rolle Münchens in dieser Zeit offen zu thematisieren und schwierige Kapitel nicht zu verschweigen.
Quellen:
- https://www.nsdoku.de/en/about-us/publications/munich-and-national-socialism
- https://werkstattgeschichte.de/wp-content/uploads/2017/01/WG19_095-101_SCHMIECHEN-ACKERMANN_ALLTAGSGESCHICHTE.pdf
- https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/widerstand-im-zweiten-weltkrieg/die-weisse-rose
- https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/widerstand-im-besetzten-ausland-verfolgung-und-disziplinierung-in-muenchen-885