Montag, Februar 23, 2026

September 1941. Wie überlebten die Münchner?

Der September 1941 begann für die Münchner in einem Alltag, in dem der Krieg längst spürbar war. Menschen standen mit Lebensmittelkarten in langen Schlangen, suchten Ersatz für Brot, Kaffee und Fleisch und trugen nach Hause, was sie überhaupt bekommen konnten. In vielen Kellern lagen schon Decken und Eimer mit Wasser bereit – die Bewohner stellten sich auf nächtliche Alarme ein, denn Luftangriffe wirkten inzwischen keineswegs fern.

Unter der Woche arbeiteten die Stadtbewohner in Fabriken und Werkstätten, Frauen übernahmen die Aufgaben der eingezogenen Männer, und Schulkinder trugen Gasmasken in den Ranzen. Strom und Verkehr funktionierten noch, doch jeder wusste, dass sich das jederzeit ändern konnte. Das Leben lief weiter – Straßenbahnen, Märkte, Gottesdienste – und dennoch erinnerte jeder Tag an die Front. In dieser Atmosphäre gingen die Münchner in den September 1941 hinein. Mehr dazu auf munichyes.eu.

Lebensmittelversorgung

Im September 1941 waren die Münchner vollständig auf Lebensmittelkarten angewiesen. Die Karten holte man bei den örtlichen Dienststellen ab, und jede Familie kannte ihre Rationen genau. Erwachsene erhielten nur kleine Mengen Brot, etwas Getreide, wenige Gramm Fett und kaum Zucker. Viele Haushalte verbrauchten ihre Wochenration bereits nach ein paar Tagen, weshalb die Frauen die Lebensmittel so gut wie möglich streckten. Brot wurde in dünne Scheiben geschnitten, und die Reste ließ man trocknen, um sie später zu mahlen und in Suppen zu mischen.

Vor den Lebensmittelgeschäften bildeten sich Schlangen noch vor Öffnung. Die Menschen warteten mit Körben und Karten in der Hand, bis die Verkäufer ihre Waagen hervorgeholt hatten und jedes Gramm exakt abwogen. Fleisch gab es meist nur vom Schwein und selbst das selten. Oft hingen Schilder mit der Aufschrift „Kein Fleisch“ im Schaufenster, und die Münchner griffen sofort auf Ersatzprodukte zurück. Statt Kaffee kochte man Zichorie, und anstelle von Butter verwendeten viele Margarine oder Fett, das man über Bekannte organisierte.

In den Küchen der Arbeiterviertel entstanden Gerichte aus dem, was noch erhältlich war: Suppen aus Karotten, Rüben, Kohl oder Graupen. Auf den Märkten im Zentrum und rund um den Bahnhof kauften die Menschen günstiges Gemüse. Dort verkauften Bauern aus den umliegenden Dörfern Kartoffeln, Äpfel und Bohnen. Ihre Ware war schnell weg, sodass viele mit leeren Taschen zurückkamen, wenn sie zu spät dran waren.

Für Schulkantinen gab es eigene Rationen. Kinder bekamen Milchspeisen, Brot und einfache Gemüsesuppen – für viele war das die einzige warme Mahlzeit des Tages. Mütter sparten jeden Rübenkopf und jede Karotte, legten Vorräte ein oder trockneten Äpfel, um den Winter etwas erträglicher zu machen. Im Herbst versuchten viele Familien, Rüben und Kohl einzulagern, weil sie wussten, dass es später noch schwieriger werden würde, etwas zu bekommen.

Alltägliches Leben

Die Münchner lebten im September 1941 weiterhin in ihren gewohnten Wohnungen, doch fast überall gab es inzwischen eine kleine „Notfallecke“. Keller wurden von Gerümpel befreit, man stellte Bänke hinein und brachte Decken, Wasser und Kerzen dorthin. Viele Familien bewahrten dort auch kleine Vorräte an Konserven und Kartoffeln auf, die man für nächtliche Alarme bereithielt. In manchen Häusern fanden Übungen statt, bei denen die Bewohner in den Keller hinunterstiegen, um im Ernstfall schneller reagieren zu können.

Der Alltag beruhte auf Sparsamkeit. Strom kam regelmäßig, aber nach dem Abendessen löschten viele sofort das Licht. An den Fenstern hingen dichte Vorhänge oder schwarze Abdeckungen, die man für das Verdunkeln ausgab. Gasherde funktionierten, doch die Frauen kochten Gerichte, die nicht lange köcheln mussten. Gewaschen wurde selten, da Waschpulver kaum erhältlich war und man stattdessen Kernseife verwendete.

Reparaturen wurden fast vollständig eingestellt. Baumaterial gab es nur für dringendste Fälle, also erledigten viele alles selbst: Tapeten wurden geklebt, Schränke verstärkt, Stühle mit alten Decken neu bezogen. Möbel waren oft abgenutzt, aber man nutzte sie weiter. Kinder trugen Kleidung älterer Geschwister, und Schuhe brachte man zu den Schustern, weil die Sohlen schnell verschlissen. Die Werkstätten arbeiteten ohne freien Tag und waren ständig überfüllt.

Trotz aller Einschränkungen hielten die Münchner an ihren Gewohnheiten fest. Manche gingen sonntags in die Kirche, andere pflegten kleine Tomatenbeete im Hinterhof oder lasen abends alte Romane. Briefe von der Front lagen in vielen Wohnungen auf dem Tisch und wurden immer wieder hervorgeholt, denn jeder Umschlag bedeutete Hoffnung. In vielen Küchen hingen Kalender mit rot markierten Tagen – jene, an denen man neue Nachrichten vom Osten erwartete.

Arbeit und Einberufung

Im September 1941 hatten sich die Familien daran gewöhnt, dass Männer jederzeit eingezogen werden konnten. Die Einberufungen kamen oft ohne Vorwarnung, weshalb viele einen gepackten Rucksack im Flur bereitstellten. Einige Männer wurden an die Ostfront geschickt, andere blieben in München auf den Werken, die Optik, Flugzeugteile oder Ausrüstung produzierten. Ingenieure und Facharbeiter arbeiteten in langen Schichten, häufig zehn bis zwölf Stunden, da die Betriebe militärische Aufträge erfüllen mussten.

Frauen übernahmen Aufgaben, die früher Männer erledigten. Einige standen am Fließband in Werkstätten der Deutschen Werke, andere sortierten Schrott oder reparierten Uniformen. Dazu kamen Haushalt, Warteschlangen, Kinder und ältere Angehörige – ein Alltag, der kaum Zeit zum Durchatmen ließ.

Das Schulleben hing von den Lehrern ab, die noch in der Stadt waren. Kinder lernten nach Plan, auch wenn es zeitweise an Lehrbüchern fehlte. In den Unterricht integrierte man Sammelaktionen für Heilpflanzen, Hilfsarbeiten auf Bauernhöfen und Märsche der Jugendorganisationen. Ältere Schüler wurden immer wieder für „landwirtschaftliche Wochen“ eingeteilt, um bei der Ernte in Dörfern rund um München zu helfen. Oft brachten sie ein paar Kartoffeln oder einen Apfel mit nach Hause – für viele Familien war das ein echter Gewinn.

Soziales Leben

Trotz des Kriegs hielten die Münchner an vertrauten Orten fest. Auf dem Viktualienmarkt traf man sich nicht nur zum Einkaufen, sondern auch, um Neuigkeiten zu erfahren. Gespräche zwischen den Ständen dauerten oft länger als notwendig, weil viele dadurch ein wenig Ruhe fanden. In den Kirchen kamen mehr Menschen zusammen, besonders sonntags. Die Gläubigen beteten für Söhne und Brüder an der Front, und die Priester versuchten, mit kurzen und klaren Predigten Trost zu spenden.

Gleichzeitig wusste jeder ganz genau, was man laut sagen konnte und was nicht. In Straßenbahnen und Warteschlangen wurde jedes Wort abgewogen, denn es konnte immer jemand mithören. Eine unbedachte Bemerkung über Lebensmittelknappheit oder Kritik an den Behörden genügte oft, um eine Vorladung zu erhalten. Staatliche Zeitungen kamen täglich ins Haus, und das Radio hörte man überall – nicht, weil die Menschen der Berichterstattung vertrauten, sondern weil es kaum andere Informationsquellen gab. Gesendet wurde jedoch ausschließlich das, was erlaubt und genehmigt war.

Trotz Angst und Kontrolle halfen Nachbarn einander weiter. Manche teilten die letzten Reste Mehl, andere gaben eine Flasche Öl ab oder holten die Kinder aus dem Nebentreppenhaus zum Aufwärmen in die Küche. Auf diese Weise hielt sich der Alltag, der den Menschen half, einen weiteren Kriegsmonat zu überstehen.

Psychologie des Überlebens

Im September 1941 lebten die Münchner in Umständen, die wenige Jahre zuvor unvorstellbar gewesen wären. Ständige Knappheit, endlose Schlangen und Nachrichten von der Front belasteten die Menschen, doch sie fanden Wege, damit umzugehen. Viele begannen den Tag mit einem Blick in die Vorratsschränke: Wie viele Kartoffeln sind noch da? Reicht die Seife? Gibt es wenigstens etwas Kaffeeersatz? Frauen bewahrten jeden Stoffrest und jedes Einmachglas auf, weil alles irgendwann nützlich werden konnte.

Luftalarme wurden allmählich Teil des Alltags. Viele hielten kleine Koffer mit Dokumenten, Konserven und Decken griffbereit, um bei Sirenen schnell in den Keller zu kommen. Kinder kannten ihre Plätze im Schutzraum und betrachteten das Ganze oft wie ein Spiel.

Trotz Müdigkeit und Sorgen versuchten die Familien, Rituale zu bewahren, die ihnen ein Gefühl von Normalität gaben. An Sonntagen setzte man sich gemeinsam an den Tisch, selbst wenn es wenig zu essen gab. Frauen backten Kekse aus winzigen Zuckervorräten, und Männer lasen den Kindern Märchen oder alte Hefte vor. Solche kleinen Gesten gaben Halt und ließen die Hoffnung nicht verschwinden, dass dieser Krieg eines Tages vorbei sein würde.

Quellen:

  1. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/zweiter-weltkrieg/alltagsleben
  2. https://www.hans-dieter-arntz.de/ernaehrung_im_zweiten_weltkrieg.html
  3. https://stadt.muenchen.de/infos/stadtgeschichte.html
  4. https://www.cassiodor.com/Artikel/8710.html
.......