Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1759–1838) – dieser Name steht für einen der bedeutendsten bayerischen Staatsmänner. Oft als „Reformator Bayerns“ und Symbol der Modernisierung Münchens bezeichnet, wurde er am 12. September 1759 in München, der Hauptstadt des Kurfürstentums Bayern, geboren. Montgelas war die Schlüsselfigur, die das traditionelle deutsche Fürstentum in einen modernen Staat verwandelte. Seine Reformen, inspiriert von den Ideen der Aufklärung, änderten die administrative, wirtschaftliche und soziale Struktur Bayerns radikal und machten München an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zu einem Zentrum des Fortschritts in Europa.
Frühes Leben und Karrierestart
Montgelas entstammte einem Adelsgeschlecht savoyischer Herkunft. Sein Vater, Johann Sigismund Garnerin, Baron von Montgelas, diente in der Armee von Kurfürst Maximilian III. Joseph. Seine Mutter, Ursula von Trauner, kam aus dem bayerischen Adel. Maximilian erhielt eine erstklassige Ausbildung in renommierten Schulen in Nancy, Straßburg und Ingolstadt. Aufgrund seiner savoyischen Wurzeln sprach er fließender Französisch als Deutsch, fühlte sich jedoch stets als Bayer. Diese weltoffene Haltung prägte seine aufklärerische Denkweise.
1779 trat Montgelas in den Staatsdienst im Zensurdepartement Münchens ein. Seine Sympathien für den Illuminatenorden – eine Geheimgesellschaft mit antiklerikalen Ansichten – führten jedoch zum Konflikt mit Kurfürst Karl Theodor. In den 1780er-Jahren wechselte er nach Zweibrücken, wo er Privatsekretär von Herzog Maximilian Joseph, dem späteren Kurfürsten von Bayern, wurde. Hier sammelte Montgelas wichtige Erfahrungen in Diplomatie und Reformpolitik. Im Jahr 1798 nahm er am zweiten Rastatter Kongress teil, auf dem die Neuordnung Deutschlands nach der Französischen Revolution verhandelt wurde.
Aufstieg zur Macht: Die Allianz mit Napoleon

Als Maximilian Joseph 1799 Kurfürst von Bayern wurde, kehrte Montgelas als führender Minister nach München zurück. Er avancierte schnell zum faktischen Regenten und lenkte die gesamte Außen- und Innenpolitik. Ein entscheidender Schachzug war das Bündnis mit Napoleon: Im August 1805 wurde der Vertrag von Bogenhausen unterzeichnet, durch den Bayern im Dritten Koalitionskrieg an die Seite Frankreichs trat. Diese Entscheidung war umstritten, bewahrte Bayern aber vor der österreichischen Besatzung.

1806, dank Napoleons Protektion, stieg Bayern zum Königreich auf. Montgelas setzte eine signifikante Gebietserweiterung durch: Kirchenbesitz, freie Städte und kleine Fürstentümer, wie Wallerstein, wurden annektiert. Dies verdoppelte die Fläche Bayerns und machte München zur wahren Hauptstadt und zum Symbol einer neuen Ära. Die Allianz mit Frankreich kostete Montgelas jedoch seinen Ruf; er wurde des „Mangelnden Patriotismus“ bezichtigt. Auch nach Napoleons Niederlage 1813 unterstützte Montgelas Frankreich zunächst weiter, doch 1814 wechselte Bayern unter dem Druck des Königs und von Feldmarschall Wrede auf die Seite der Alliierten.
Die Reformen: Fundament des modernen Bayern
Montgelas’ Reformen, dargelegt in seinem „Ansbacher Mémoire“ von 1796 (veröffentlicht 1970), wirkten in einer feudal geprägten Zeit revolutionär. Inspiriert von Voltaire und Rousseau, griffen sie in alle Lebensbereiche ein. Administrative Zentralisierung: Anstelle der feudalistischen Kammern wurden moderne Ministerien geschaffen. Es gab eine neue Zivildienstordnung, die Bildung über Herkunft oder Religion stellte. Beamte erhielten feste Gehälter und Pensionen.
Wirtschaftliche Veränderungen: Interne Zölle wurden abgeschafft und der freie Handel eingeführt. Ein Katastersystem für die Besteuerung wurde entwickelt – erstmals zahlten Adel und Klerus gleichberechtigt Steuern. Dies befeuerte das Wachstum Münchens als Industriezentrum.
Soziale Reformen: 1808 wurde die erste moderne bayerische Verfassung erlassen, welche die letzten Reste der Leibeigenschaft aufhob. 1812 folgte ein neues Strafgesetzbuch, das die Folter verbot. Es gab die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, der allgemeinen Wehrpflicht und der Pockenimpfung. Die Säkularisation von Kirchengut verringerte den Einfluss der katholischen Kirche. Die Rechte der Protestanten wurden erweitert und jüdischen Gemeinden wurde (wenn auch mit diskriminierenden Registern) ein juristischer Status gewährt.
Montgelas lehnte den Parlamentarismus, den er für chaotisch hielt, ab; das 1808 vorgesehene Parlament wurde wegen der Kriege nie einberufen. Sein Regierungsstil war autoritär, aber äußerst effizient. München erlebte eine Blütezeit: Es entstanden neue Bauten, der Englische Garten wurde angelegt und Akademien gegründet.
Sturz und Vermächtnis

1817 wurde Montgelas unter dem Druck von Konservativen und Königin Karoline abgesetzt. Er trat in die bayerische Kammer der Reichsräte ein, konnte aber keinen politischen Einfluss mehr ausüben. Er starb am 14. Juni 1838 in München. Montgelas war mit Gräfin Ernestine von Arco verheiratet und hatte acht Kinder. Den Grafentitel erhielt er bereits 1809.
Montgelas’ Erbe ist ambivalent: Einerseits modernisierte er Bayern und machte es zu einem Vorbild für Deutschland; andererseits brachte seine napoleonische Orientierung auch Verluste mit sich. Heute steht seine Aluminiumstatue (2005, von Karin Sander) am Münchner Promenadenplatz. 2009, zu seinem 250. Geburtstag, wurde der Montgelas-Preis für deutsch-französische Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Seine Reformen legten das Fundament für die Verfassungsänderungen von 1818 und ebneten indirekt den Weg zur späteren Einheit Deutschlands.
Montgelas verkörpert den aufgeklärten Reformator: Pragmatiker, Diplomat, Visionär. Dank ihm stieg München von einer Provinzstadt zu einer europäischen Metropole auf. Sein Motto – der „rationale Staat“ – inspiriert bis heute.