Montag, Februar 23, 2026

König Otto von Bayern – Der Mann, dessen Krankheit die Neurologie und Psychiatrie voranbrachte

Otto von Bayern wurde als „verrückter König“ bekannt, nachdem er angeblich 1872 den Verstand verlor. Als sein älterer Bruder, König Ludwig II, ebenfalls für wahnsinnig erklärt wurde und 1886 starb, wurde Otto unter Regentschaft König. Zunächst übernahm sein Onkel Luitpold, später sein Cousin Ludwig die Regentschaft. Ludwig erklärte sich noch zu Ottos Lebzeiten selbst zum König. Otto regierte formal 27 Jahre, lebte jedoch isoliert in einem Schloss, umgeben von Fantasien und Halluzinationen. Lesen Sie mehr dazu auf munichyes.eu.

Kindheit

Otto wurde am 27. April 1848 in München geboren, zwei Monate zu früh. Sein Vater war König Maximilian II von Bayern, seine Mutter Königin Marie von Preußen. Otto und sein Bruder Ludwig verbrachten den größten Teil ihrer Kindheit mit Dienern und Lehrern auf Schloss Hohenschwangau.

Die Eltern waren oft abwesend und kümmerten sich wenig um die Kinder. Die strenge Mutter ordnete an, dass Ludwig ausschließlich Blau trug und Otto Rot. Die Sommerferien verbrachten die Brüder in der königlichen Villa im Berchtesgadener Land.

Militärdienst

1863 wurde Otto Unterleutnant und trat ein Jahr später in das Kadettenkorps der bayerischen Armee ein. Im Mai 1864 erhielt er den Rang eines Leutnants. Nach dem Tod Maximilians II im selben Jahr bestieg Ludwig den bayerischen Thron.

1866 wurde Otto Hauptmann und trat der Bayerischen Königlichen Infanteriegarde bei. Im gleichen Jahr nahm er am Deutschen Krieg teil und kämpfte 1870–1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Die Kriegserfahrungen führten bei Otto zu Depressionen, Apathie, Aggressionen und Schlaflosigkeit. Ab 1871 stand er unter ärztlicher Aufsicht.

Mentale Erkrankung

In den ersten Regierungsjahren Ludwigs II trat Otto oft gemeinsam mit ihm auf. Doch mit der Zeit zog sich der introvertierte Ludwig zurück, und auch Otto, einst lebensfroh und gesellig, veränderte sich.

Ottos psychischer Zustand verschlechterte sich zunehmend. Ludwig befürchtete, Otto könne nicht heiraten und einen Thronfolger zeugen. Während Ärzte Otto überwachten, wurden Berichte über seinen Zustand an Otto von Bismarck gesandt.

1872 erklärten Ärzte Otto für geisteskrank. Im Jahr darauf wurde er in den Palast Nymphenburg isoliert. Sein Arzt Bernhard von Gudden, der später auch Ludwig II diagnostizierte, sah keine Hoffnung auf Heilung. Die Diagnosen könnten politisch motiviert gewesen sein, da sowohl Ludwig als auch Otto Preußen verachteten, während Luitpold und Gudden dessen Vorherrschaft unterstützten.

König Ludwig II und Ottos Isolation

1875 fiel Otto während einer Messe in einer Münchner Kirche auf, als er in Jagdkleidung erschien und den Priester um Vergebung bat. Nach diesem Vorfall wurde er in den Palast Schleissheim verlegt, wo er in Isolation lebte. Gudden unternahm keine ernsthaften Bemühungen, Otto zu behandeln. Es wird vermutet, dass Otto unter Medikamenteneinfluss stand.

Ab 1880 verschlechterte sich Ottos Zustand erheblich. 1883 wurde er streng überwacht und in den Palast Fürstenried nahe München gebracht, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Das Schloss war speziell für seine Isolation umgebaut worden. Sein Bruder Ludwig besuchte ihn gelegentlich und wies das Personal an, keine Gewalt anzuwenden.

Ottos Regierungszeit und Ende

1886 wurde Ludwig II von seinen Ministern abgesetzt. Nach seinem Tod am 13. Juni 1886 trat Otto formal den Thron an, konnte jedoch aufgrund seiner Krankheit nicht regieren. Luitpold übernahm als Regent die Regierungsgeschäfte. Otto nahm seine Krönung nicht wahr und glaubte bis zu seinem Tod, Luitpold sei der rechtmäßige König.

1913 wurde die bayerische Verfassung geändert, um eine Regentschaft nach mehr als zehn Jahren Regierungsunfähigkeit zu legitimieren. Am 5. November 1913 wurde Otto durch seinen Cousin Ludwig entthront, der sich selbst zum König Ludwig III ernannte.

Otto starb im Oktober 1916 an einem Darmverschluss. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Michaelskirche in München. Sein Herz wurde traditionell in einer silbernen Urne in der Gnadenkapelle von Altötting beigesetzt.

Wahnsinn: Wahrheit oder Politik?

Ob Otto wirklich geisteskrank war, bleibt ein Rätsel. Einige Historiker vermuten, dass ihm gezielt Psychopharmaka verabreicht wurden, um ihn vom Thron zu entfernen. Diese Ungewissheit trug maßgeblich zur Weiterentwicklung der Neurologie und Psychiatrie bei. Experten des 21. Jahrhunderts vermuten, dass Otto unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung litt.

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