Selbst in einer kulturellen Metropole wie München kam es gelegentlich zu grausamen Verbrechen. Die Kriminalitätsrate und die Anzahl der verurteilten Straftäter spiegeln oft die Effektivität der städtischen Verwaltung und der Justiz wider. Einer der berüchtigtsten Verbrecher Münchens war Johann Eichhorn, bekannt als das „Biest von Aubing“. Als Serienmörder und Vergewaltiger ruinierte er zwischen 1931 und 1939 das Leben von mindestens 90 Frauen in München. Die Nationalsozialisten versuchten, den Fall des deutschen „Jack the Ripper“ sorgfältig zu vertuschen. Mehr dazu auf munichyes.eu.
Frühe Jahre
Johann Eichhorn wurde am 8. Oktober 1906 im Münchner Stadtteil Aubing in eine Familie mit acht Kindern geboren. Seine Eltern lebten bescheiden, kümmerten sich jedoch gut um die Kinder. Nach der Volksschule absolvierte Johann eine Ausbildung als Schlosser und arbeitete später als Rangierlokführer.

Kollegen beschrieben ihn als fleißig und zuverlässig. Doch hinter dieser Fassade verbarg sich ein Abgrund. Trotz seiner charmanten Erscheinung, die ihm viel Aufmerksamkeit von Frauen einbrachte, offenbarte er in Gesprächen mit Kollegen, dass er nur bei Gewaltanwendung emotionale Erregung empfand.
Mindestens fünf Morde
Eichhorns erste Angriffe wurden 1928 registriert. Seine mutmaßlich ersten Opfer waren zwei seiner eigenen Schwestern. Später griff er junge Frauen im Westen Münchens an, bedrohte sie mit einer Waffe oder einem Messer, schlug, vergewaltigte und beraubte sie.
Im Oktober 1931 lernte Eichhorn auf dem Oktoberfest die 16-jährige Katharina Schätzl kennen. Sie fand ihn charmant, doch der Spaziergang entlang der Isar endete tragisch: Eichhorn vergewaltigte und erdrosselte sie, bevor er ihren leblosen Körper in die Isar warf.
Im Mai 1934 überfiel er die Ehefrau eines Friseurs, Anna Geltl, in einem Park. Er schoss ihr in den Hinterkopf, missbrauchte und verstümmelte ihre Leiche mit einem Messer. Das Versteck ihres Körpers blieb unbekannt, da Eichhorn die Stelle nie preisgab.

Im September desselben Jahres schoss er der Sekretärin Bertha Sauerbeck in den Kopf. Bertha überlebte den Schuss, wurde jedoch schwer verletzt in einer Müllgrube begraben, wo sie später starb.
1938 ermordete Eichhorn die 23-jährige Hausangestellte Marie Jörg. Ihr verstümmelter Körper wurde von Spaziergängern gefunden. Der Mörder setzte seine Verbrechen fort, während er verheiratet war und zwei Kinder hatte.

Das Ende der Verbrechen
Im Januar 1939 wurde Eichhorn bei dem Versuch, ein zwölfjähriges Mädchen zu missbrauchen, von Passanten festgenommen. Bei den Verhören gestand er fünf Morde und mehr als 90 Vergewaltigungen. Er selbst bezeichnete sich als „wildes Tier“.
Für seine Taten wurde Eichhorn zum Tode verurteilt. Im November 1939 schrieb er einen Abschiedsbrief an seine Familie. Im Dezember desselben Jahres wurde er durch die Guillotine hingerichtet.
Vertuschung durch das Regime
1933 trat Eichhorn der NSDAP bei, die sich zunehmend auf antisemitische und antikommunistische Themen konzentrierte. Trotz seiner Verbrechen versuchten die Nationalsozialisten, den Fall Eichhorn zu verschleiern – offenbar wegen seiner Parteimitgliedschaft. Die Presse berichtete kaum über seine Taten. Erst im 21. Jahrhundert wurde der Fall durch die Überprüfung von Polizeidokumenten öffentlich.

Zu dieser Zeit war Karl Fiehler Oberbürgermeister Münchens, ein eifriger Nationalsozialist und Antisemit. Unter seiner Führung wurde München zum Zentrum der Judenverfolgung, einschließlich des ersten systematischen Boykotts jüdischer Geschäfte 1933. Während des Holocausts wurden Tausende Münchner Juden deportiert und ermordet.
Nach Kriegsende wurde Karl Scharnagl von den amerikanischen Besatzungstruppen als Oberbürgermeister wieder eingesetzt. Fiehler wurde 1949 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die er jedoch nicht vollständig verbüßen musste, da ihm bereits verbüßte Zeit angerechnet wurde.