Volker Wieker zählt zu den profiliertesten Generälen der Bundeswehr und war von 2010 bis 2018 Generalinspekteur der deutschen Streitkräfte. Er leitete die militärische Führung, war an internationalen Einsätzen beteiligt und bekleidete zentrale Stabsfunktionen. Dieser Artikel beleuchtet seine Laufbahn, sein Wirken auf internationaler Ebene sowie jene persönlichen Eigenschaften, die seine Rolle im modernen Bundeswehrsystem geprägt haben. Mehr dazu auf munichyes.eu.
Frühes Leben und Ausbildung
Volker Wieker wuchs in Delmenhorst, einer kleinen Stadt in Niedersachsen, in einer Familie ziviler Angestellter auf. In der Schule setzte er klare Schwerpunkte auf Mathematik und Physik – Kenntnisse, die ihm später im militärischen Dienst und in technischen Fachgebieten zugutekamen. Nach dem Schulabschluss trat er in die Bundeswehr ein und entschied sich für die Artillerietruppe, wo er seine Offizierskarriere begann.

Während seiner ersten Dienstjahre absolvierte Wieker die Ausbildung an militärischen Lehranstalten der Bundeswehr. Dort erwarb er grundlegende Fähigkeiten in Führung, Truppenorganisation und der Planung von Schießausbildungen. Parallel dazu vertiefte er sein Wissen in Taktik und Logistik – ein Fundament, das seine weitere Laufbahn wesentlich beeinflusste.
Später studierte Wieker an der Universität der Bundeswehr in München Geodäsie und verwandte Fachrichtungen. Die akademische Ausbildung verband er mit praktischer Tätigkeit in Artillerieeinheiten. Präzise Messungen, Berechnungen für Feuerunterstützung und koordinierte Abläufe gehörten zu den Schwerpunkten seiner Ausbildung.
Während seines Studiums absolvierte er zudem einen internationalen Kurs am Command and General Staff College der US Army in Leavenworth. Dort lernte Wieker die Strukturen einer anderen Armee kennen und entwickelte Führungsmethoden für multinationale Verbände – Fähigkeiten, die sich später in internationalen Missionen als unverzichtbar erwiesen.
Start der militärischen Laufbahn
Nach Abschluss seiner Ausbildung erhielt Wieker seine ersten Offiziersverwendungen in Artilleriebataillonen. Zunächst führte er eine Batterie, später übernahm er Stabsaufgaben: Einsatzplanung, Ausbildung der Soldaten und Vorbereitung auf Feldoperationen.

Militärkarriere
Wiekers Laufbahn begann in der Panzerartillerie, wo er Erfahrungen in der Feuerplanung, der Führung von Batterien und der Ausbildung von Soldaten sammelte. Anschließend folgten Stabsverwendungen, in denen er für operative Planung und die Vorbereitung ganzer Bataillone verantwortlich war.
Bereits in den 1990er-Jahren nahm er an internationalen Missionen teil – zunächst in Bosnien im Rahmen von IFOR, später im Kosovo mit KFOR. 2009 übernahm er die Leitung des Stabes der ISAF-Mission in Afghanistan. Dort koordinierte er multinationale Truppen und führte komplexe Einsatzplanungen verschiedener Nationen zusammen.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland führte er ein Artilleriebataillon und später eine Panzerbrigade. 2008 übernahm Wieker das Kommando über das 1. Deutsch-Niederländische Korps. In dieser Funktion verantwortete er Ausbildung, Einsatzbereitschaft und die Vorbereitung der unterstellten Truppen.
Sein Führungsstil vereinte Disziplin, realitätsnahe Ausbildung und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Wieker setzte auf die kontinuierliche Entwicklung junger Offiziere, bezog sie aktiv in die Planung ein und nutzte Erkenntnisse aus realen Operationen für Trainingsprogramme.

Volker Wieker als Generalinspekteur der Bundeswehr
2010 wurde Wieker zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt – dem ranghöchsten Soldaten Deutschlands. Seine Aufgaben reichten von strategischer Planung über Verteidigungsorganisation bis hin zur Modernisierung der Streitkräfte.
Unter seiner Führung entstanden Programme zur Stärkung der Cyberabwehr, zur Optimierung von Rüstungsprozessen und zur Vertiefung der Zusammenarbeit im NATO-Rahmen. Ein technischer Audit während seiner Amtszeit brachte erhebliche Defizite bei Ersatzteilen und Einsatzbereitschaft zum Vorschein. Daraufhin leitete Wieker eine umfassende Modernisierung von Panzer- und Artilleriesystemen ein, wodurch Reparaturzeiten verkürzt und Fahrzeuge schneller für Übungen verfügbar wurden.
Er initiierte zudem spezialisierte Analysegruppen, die Trainingsstandards überprüften und anpassten. Ziel war eine Ausbildung, die realitätsnahe Konfliktszenarien abbildet und die Autonomie der Einheiten erhöht.
Wieker trieb auch die Einführung neuer Technologien und die Entwicklung moderner Offiziersprogramme voran. Die Bundeswehr gewann dadurch mehr Flexibilität und eine klarere Führungsstruktur. Seine Amtszeit wurde sogar über das übliche Ruhestandsalter hinaus verlängert – ein Zeichen des Vertrauens, aber auch der Notwendigkeit, laufende Reformen zu stabilisieren.
Internationale Tätigkeit
Wieker spielte über Jahre hinweg eine bedeutende Rolle innerhalb der NATO. Er leitete Stäbe in den Missionen IFOR, KFOR und ISAF und koordinierte dort multinationale Einsatzgruppen. Er war zudem an zahlreichen internationalen Übungen beteiligt – in Deutschland, Polen und den USA –, bei denen Verfahren abgestimmt, neue Taktiken getestet und gemeinsame Standards trainiert wurden.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz und anderen internationalen Foren vertrat er die Bundeswehr und erläuterte strategische Prioritäten. Sein Fokus lag dabei auf Cyberabwehr, moderner Offiziersausbildung und der Anpassungsfähigkeit an neue Bedrohungen. Diese Auftritte stärkten das internationale Ansehen der Bundeswehr erheblich.
Persönlichkeit, Werte und Vermächtnis
Kollegen beschrieben Volker Wieker als verlässlichen Offizier, der sich strikt an politische Neutralität hielt und Befehle präzise umsetzte. Sein Ansehen beruhte jedoch nicht nur auf seinen Dienstgraden, sondern ebenso auf seiner beständigen Präsenz bei Übungen, an Stabsstandorten und im direkten Austausch mit Soldaten.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Förderung junger Offiziere. Unter seiner Führung entstanden spezialisierte Kurse, Austauschprogramme mit internationalen Armeen und praxisorientierte Trainings, in denen angehende Kommandeure reale Führungssituationen meistern mussten.
Wiekers Vermächtnis prägt die Bundeswehr bis heute. Seine Ansätze für Ausbildung, Führungskultur und Organisationsstrukturen gelten weiterhin als Orientierung für nachfolgende Generationen. Die Streitkräfte verfügen dank seiner Arbeit über ein stabiles System, das flexibel auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen reagieren kann. Gleichzeitig stärkte seine internationale Tätigkeit das Ansehen der Bundeswehr im globalen Kontext.
Quellen:
- https://www.clausewitz-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2016/03/160302-Programm-GS-final.pdf
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article5573476/Bundeswehr-Volker-Wieker-wird-neuer-Generalinspekteur.html
- https://www.faz.net/aktuell/politik/attraktivitaetsoffensive-der-bundeswehr-generalinspekteur-wieker-verteidigt-von-der-leyen-12974628.html
- https://www.bundestag.de/webarchiv/presse/hib/2013_07/01-256862
- https://www.bmvg.de/resource/blob/22972/5e81db27acfac64a455ecabdf75e858a/20180316-personalveraenderungen-in-spitzenstellen-data.pdf
- https://dgap.org/de/veranstaltungen/deutschland-hat-keinen-grund-sich-zu-verstecken