Montag, Februar 23, 2026

Gustav Ritter von Kahr: Rivale Hitlers im Kampf um die Macht

Die historische Rolle des bayerischen Politikers Gustav von Kahr bestand darin, nach dem Ersten Weltkrieg erheblich zur Stärkung rechtsextremer und nationalistischer Kräfte in Bayern beizutragen. Er bekleidete das Amt des Generalstaatskommissars von Bayern und verfügte über diktatorische Befugnisse. Während seiner Amtszeit wandte er sich entschieden gegen die Reichsregierung in Berlin. Im November 1923 unterdrückte er Hitlers und die NSDAPs Putschversuch. Seitdem galt Gustav von Kahr bei den Nationalsozialisten als Verräter, berichtet munichyes.eu.

Ein politischer Akteur

Gustav von Kahr wurde am 29. November 1862 in Weißenburg, Bayern, geboren. Nach seinem Abschluss an der Lateinschule in Tanngrün setzte er seine Ausbildung am Münchner Maximilians-Gymnasium fort. Von Oktober 1881 bis September 1882 diente er freiwillig im zweiten bayerischen Infanterieregiment „Kronprinz“.

Anschließend studierte er bis 1885 Jura in München. Um seine Prüfungen abzulegen, absolvierte er ein Referendariat und juristische Vorbereitungsdienste am Amtsgericht München sowie in der Kreisregierung München. Zudem arbeitete er mit dem Anwalt Gmeinhard zusammen und engagierte sich ehrenamtlich in der Münchner Bezirksverwaltung bis November 1888.

Fünf Jahre lang arbeitete Gustav von Kahr im Staatsministerium. Im Juli 1900 wurde er als Bezirkssekretär nach Kaufbeuren versetzt. 1902 kehrte er ins Staatsministerium des Innern zurück und stieg rasch zum Staatsrat auf.

Im Jahr 1911 wurde von Kahr mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet. Ein Jahr später wurde er zum Obersten Staatsrat und Ministerialdirektor ernannt. Im Staatsministerium widmete sich von Kahr weiterhin dem Schutz und der Pflege von Kulturgütern, die vom Verschwinden bedroht waren.

Unruhige Zeiten

Während des Ersten Weltkriegs nahm von Kahr nicht aktiv teil, da ihn der Minister Maximilian von Soden-Fraunhofen nicht entlassen wollte. 1917 ernannte ihn der bayerische König zum Regierungspräsidenten von Oberbayern. Gustav war einer der ersten Führungspersönlichkeiten, die die bevorstehende Revolution in Bayern und Deutschland erkannten.

Die Ereignisse der Novemberrevolution 1918 schockierten den Monarchisten von Kahr. Er konzentrierte sich darauf, die Lebensbedingungen in der neuen Freien Republik Bayern zu reorganisieren. Von Kahr und seine Parteifreunde waren gegenüber dem provisorischen Premierminister Kurt Eisner feindlich eingestellt. Die kurzlebige Münchner Räterepublik verstärkte von Kahrs demokratiefeindliche Haltung und führte dazu, dass er Verbündete unter den Rechtsextremisten suchte.

Nach dem Kapp-Putsch im März 1920 musste Premierminister Johannes Hoffmann zurücktreten, und von Kahr übernahm dessen Amt. Seine Politik zielte darauf ab, Bayern innerhalb des Deutschen Reiches unabhängig zu machen. Von Kahr löste die Arbeiter- und Soldatenräte auf, wodurch Bayern den Ruf eines Ortes der Ordnung erlangte. Im Rahmen einer antisemitischen Kampagne ordnete er auch die Ausweisung osteuropäischer Juden an.

Von Kahr widersetzte sich aktiv der Auflösung der bayerischen Verteidigungskräfte. 1923 wurde er zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Befugnissen ernannt. Er rief in Bayern den Ausnahmezustand aus und bildete ein Triumvirat mit Otto von Lossow und Hans von Seißer. Von Kahr plante, die Republik in ganz Deutschland abzuschaffen und eine nationale Diktatur zu errichten. Nach dem Vorbild von Benito Mussolinis Marsch auf Rom versuchte er, einen Marsch auf Berlin zu organisieren.

Im Oktober 1923 ließ von Kahr erneut mehrere Hundert jüdische Familien ausweisen, um Unterstützung von den extremen Rechten zu gewinnen, die sich auf Hitlers Seite und die Deutschvölkische Freiheitspartei stellten. Zwischen von Kahr und Adolf Hitler entstand ein Machtkampf um die Führungsrolle im rechten politischen Spektrum.

Hitlers Konkurrent

Von Kahrs separatistisches Programm vereinte zahlreiche monarchistische Organisationen. Zu seinen Unterstützern gehörten Otto von Lossow und Hans von Seißer. Hitler, dessen Popularität in Bayern stark wuchs, warf von Kahr vor, die Einheit des Reiches zu schwächen. Aus Hitlers Sicht handelte von Kahr als Verräter an den nationalen Interessen.

Im September 1923 verbot von Kahr Versammlungen der NSDAP, aus Angst, mit der Partei in einen Konflikt zu geraten. Hitler beschloss, die Initiative zu ergreifen, und rief zur nationalen Revolution sowie zum Marsch auf Berlin auf. Während eines Auftritts von von Kahr und seinen Verbündeten nahm Hitler sie als Geiseln. Er forderte ihre Unterstützung für die Revolution und drohte mit einer geladenen Pistole.

Trotz der Drohungen willigte von Kahr zunächst ein, sich dem Marsch auf Berlin anzuschließen, und wurde von Hitler als Regent Bayerns ausgerufen. Doch von Kahr und von Lossow entwickelten insgeheim einen Plan zur Niederschlagung des Putsches.

Ein gescheiterter Plan

Während Hitler sein Kabinett ernannte, übernahm Ernst Röhm mit seinen Sturmtruppen das Kriegsministerium, während Rudolf Heß Verhaftungen von Juden und linken Politikern durchführte. Am 9. November 1923 trafen die Nazis auf dem Odeonsplatz auf die Polizei. Es kam zu einer Schießerei, bei der 16 Putschisten, vier Polizisten und ein Zivilist starben. Hitler machte von Kahr für das Scheitern des Putsches verantwortlich.

Von Kahr zog sich nach dem gescheiterten Putsch aus der Politik zurück und wurde Präsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Im Juni 1934 wurde er jedoch während der „Nacht der langen Messer“ von der SS ermordet. Seine Leiche wurde in einem Wald gefunden.

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