München – eine Stadt mit einer langen und ereignisreichen Geschichte, die viele herausragende Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Über eines davon verraten wir Ihnen in unserem Artikel auf munichyes.eu.
Eine davon ist Karl Fiehler, der eine zentrale Figur im politischen Leben Deutschlands wurde.
Kindheit und Jugend des zukünftigen Politikers
Karl Fiehler wurde am 31. August 1895 in Braunschweig geboren, verbrachte jedoch seine Jugendjahre in München. Dort besuchte er eine Mittelschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Ausbildung.
1914 ging Fiehler an die Front und diente während des gesamten Ersten Weltkriegs. Für seine militärischen Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Nach seiner Rückkehr nach München trat Fiehler in die Stadtverwaltung ein, wo er eine Ausbildung im Verwaltungsbereich begann. 1922 legte er die Staatsprüfung für Verwaltungs- und Kanzleidienste ab. Dies waren seine ersten Schritte in eine bemerkenswerte politische Karriere.
Politisches Leben
1923 begann Karl Fiehler seine Tätigkeit im „Stoßtrupp Hitler“, einer Organisation, die für die persönliche Sicherheit Adolf Hitlers zuständig war. Er nahm auch am „Hitlerputsch“ teil, einem gescheiterten Staatsstreich, der im November 1923 stattfand. Bei den Auseinandersetzungen kamen 16 NSDAP-Mitglieder und 4 Polizisten ums Leben. Wegen seiner Beteiligung wurde Fiehler zu 15 Monaten Haft in der Festung Landsberg verurteilt, wo auch Adolf Hitler inhaftiert war.

In den folgenden Jahren machte Fiehler Karriere innerhalb der NSDAP. Von 1927 bis 1930 leitete er die Münchner Parteiorganisation. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde er Reichsleiter, eine der höchsten politischen Ränge in der NSDAP, und gehörte zu den 20 engsten Vertrauten Hitlers.
Verwaltung Münchens: Ereignisse und neue Regeln
Von 1933 bis 1945 war Karl Fiehler Oberbürgermeister von München. Der Machtübernahme ging ein gewaltsamer Umsturz voraus: Am 9. März 1933 besetzte die NSDAP das Münchner Rathaus und hisste die Hakenkreuzflagge. Der damalige Bürgermeister Karl Scharnagl von der Bayerischen Partei konnte sich elf Tage lang widersetzen, musste jedoch kapitulieren. Am 20. Mai 1933 wurde Fiehler offiziell zum Oberbürgermeister ernannt.
Während seiner Amtszeit wurde München zur „Hauptstadt der Bewegung“ erklärt, um die zentrale Rolle der Stadt für die NSDAP zu betonen. Unter der Leitung von Architekten wie Paul Ludwig Troost begann eine umfassende Neugestaltung Münchens, obwohl einige Pläne, wie die Verlegung des Hauptbahnhofs, nicht umgesetzt wurden.

Das jüdische Leben in München
Die jüdische Bevölkerung Münchens litt besonders unter Fiehlers Politik. Er initiierte Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte und Betriebe, die später zerstört wurden. 1938 ließ der Propagandaminister Joseph Goebbels die Hauptsynagoge abreißen, was als Test für die öffentliche Reaktion diente. Die Gleichgültigkeit der Bevölkerung ermutigte die Nationalsozialisten zu weiteren Verfolgungen, die in Deportationen und Massenmorden gipfelten.
Ende der Karriere und Lebensabschluss
Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte auch das Ende von Fiehlers politischer Karriere. Am 4. Mai 1945 setzten die US-Truppen Karl Scharnagl wieder als Oberbürgermeister ein. 1949 wurde Fiehler zu zwei Jahren Haft verurteilt, die jedoch durch seine vorherige dreijährige Internierung angerechnet wurden.
Karl Fiehler starb am 8. Dezember 1969 in der Nähe des Ammersees in den Bayerischen Alpen.